Wohnsituation in Paderborn. Gastredner Thorsten Mertens vom Spar- und Bauverein Paderborn.

Am Donnerstag, 13. Februar 2020 trafen sich die Mitglieder der Seniorenunion Paderborn im Westphalenhof zu einem Vortrag über die Wohnsituation in Paderborn.
Gastredner Thorsten Mertens vom Spar- und Bauverein Paderborn.
Thorsten Mertens überraschte die Anwesenden mit klaren und durch Zahlen und Fakten belegte Aussagen.
So hat sich die Situation im Baubereich für Investoren durch ein Übermaß an Bürokratie und Vorschriften sehr verschlechtert.
Im Jahr 2000 gab es rund 5.000 Vorschriften die für Bauherren zu beachten waren, im Jahr 20290 sind es 20.000 Vorschriften.
Neue Vorschriften für die Bereiche Brandschutz, Lärm, Energie haben die Baukosten um mehr als 55% steigen lassen, was die Amortisierung von Investitionen erheblich erschwert.
In diesem Zusammenhang kritisierte Thorsten Mertens die Gründung der Paderborner Wohnungsgesellschaft, die in einem Umfeld erfolgreich sein soll, das inzwischen bereits professionelle Gruppierungen mit jahrzehntelanger Erfahrung vor erhebliche Herausforderungen stellt.

Dennoch hat Paderborn eine der höchsten Bauintensitäten in ganz NRW.
Durch die EZB Geldpolitik können Investoren aus dem Finanzsektor genügen Geld für privat finanzierten Wohnungsbau zu ähnlichen Konditionen erhalten wie für öffentlich geförderten Wohnungsbau, nur ohne Bindung. Das führt zwar dazu, dass der öffentlich geförderte Wohnungsbau landesweit zurückgeht, hat aber in Paderborn keine negativen Auswirkungen, weil das Mietniveau in Paderborn so gering ist, dass sich die Kosten für öffentlich geförderter Wohnungsbau und nicht gefördertem Wohnungsbau annähern. Die Differenz zwischen mietpreisgebundenen Wohnraum und allen Geschosswohnungen beträgt in Paderborn nur 1-2€/qm.
 
Während Mieter in großen Städten zwischen 40 und 60% ihres Einkommens für Mieten ausgeben müssen und man davon ausgeht, dass bereits ein Wert von 30% sozialpolitisch als kritisch anzusehen ist, bewegt sich dieses Verhältnis in Paderborn je nach Stadtteil bei 18 bis 25%.

Bei Mieten zwischen 3,80 € am unteren Ende und 10 – 12 € am oberen Ende könne man nicht von zu hohen Mieten sprechen.
Während zum Beispiel im München die Mieten doppelt so schnell gestiegen sind wie das Einkommen, sind die Einkommen in Paderborn stärker gestiegen als die Mieten. Das bedeutet, dass die Mieten im Verhältnis zum Einkommen in Paderborn gesunken sind.
Dass Menschen den Eindruck haben, dass ihre Mietkosten gestiegen sind liegt nicht zuletzt daran, dass nicht die Mieten, sondern die Nebenkosten sich exorbitant entwickelt haben. Zwischen 2000 und 2018 sind die Mieten um 26% gestiegen, die Abgaben und die Kosten für Energie aber um 90 bis 100%.

Zusammenfassend erklärt Thorsten Mertens
- die Realität im Paderborner Wohnungsmarkt ist weit entfernt von den Zeitungmeldungen über
   Wohnungsknappheit und Mietpreisexplosionen
- es gibt keine Wohnungsknappheit in Paderborn
- es gibt keine Mietpreisexplosion in Paderborn
- auch für Studenten gibt es in Paderborn ausreichend bezahlbaren Wohnraum
- es gibt keinen Mangel an öffentlich geförderten Wohnungen in Paderborn

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